Warwick Quadruplet

Auf der Suche nach einem echten Röhrensound, der bezahlbar und zudem auch noch transportabel sein soll, bin ich auf den Warwick Quadruplet PreAmp gestoßen. Na ja, Warwick halt, war mein erster Gedanke... Aber ok, gib ihm mal eine Chance, war mein zweiter Gedanke. Also ran ans Telefon und obigen Amp geordert.

Der Quadruplet wurde in nicht gerader hoher Stückzahl für einen kurzen Zeitraum von Warwick hergestellt. Er ist leider nur noch gebraucht erhältlich. Er konnte sich nie gegen die doch sehr erfolgreich verkauften Ampeg SVT-IIP und SVP Pro und CL PreAmps durchsetzen. Obwohl dieser Amp schon ein "alter Hut" zu sein scheint, möchte ich ihn hier gerne vorstellen:

Übersicht

  • Bauform: 19", 1 HE Stahlblechgehäuse
  • Einbautiefe: 255 mm
  • Röhrenbestückung: 3x 12AX7, 1x EL84
  • Klangregler: Quadrumatrix, Bass, Mid1, Mid2, Treble, Low Boost, High Boost, Crunch, Output
  • Effektwege: 1x seriell mit Stereo-Return
  • Eingänge: 1x Klinke
  • Ausgänge: Tuner Out, Output Left, Output Right, symm. DI Left, symm. DI Right
  • Sonstiges: DI-Ausgänge umschaltbar pre/post EQ, Ground-Lift-Schalter

Konzept & Sound

Das Besondere am Quadruplet ist, dass hier im mit Röhren bestückten PreAmp eine EL84-Endpentode endstufenmäßig auf einen Ausgangsübertrager arbeitet. Das aber nicht um Cabs zu befeuern, sondern um das spezielle Röhren-Endstufen-Klangverhalten zu erzeugen. Das wird auch in Amps like Bassmaster von H&K, dem SWR Interstellar Overdrive oder den WW TubePaths so bewerkstelligt und hat sich bewährt.


Schön finde ich die Möglichkeit, mittels des "Quadrumatrix"-Drehschalters zwischen reiner Vorstufe und Röhren-simulierter-Endstufe wählen zu können. Somit stehen einem 4 Grundsounds zur Verfügung, die mittel 4-Band-EQ zudem den eigenen Wünschen angepasst werden können.


Preset 1:
Klangerzeugung rein über Vorstufenröhren
dichter, tiefmittiger Sound

Preset 2:
Klangerzeugung rein über Vorstufenröhren
etwas mittenbetonter als Preset 1

Preset 3:
Vorstufenröhren und Endstufenröhre
Jetzt wird es interessant. Durch die EL84 wird das ganze doch noch ein amtlicher Vollröhren-Amp. Tiefe Mitten und ein wenig "crispe" Höhen...

Preset 4:
Vorstufenröhren und Endstufenröhre
Ähnlich dem Preset 3, jedoch etwas mehr Tiefen. Sounds like SVT! 

Eine weitere "Klangregelung" wird mit einem Crunch-Regler erreicht. Mit diesem sind Einstellungen zwischen Clean und Crunch möglich. Härtere Gangarten sind mit diesem PreAmp nicht möglich, da der zu erreichende Zerrgrad doch eher beschränkt ist. Ich habe die Röhre an erster Stelle durch eine TT12AX7 v1 ersetzt und somit einen höheren Zerrsound erreicht. Aber dieser befindet sich m.E. immer noch im "Crunch-Bereich".

Hervorragend ist das absolut rauscharme Klangbild. Und dass auch bei weiter geregelten Höhen.

Auffällig ist der recht pegelarme Output, den der Amp zur Verfügung stellt. Doch mit qualitativ guten Endstufen ist eine ordentliche Klangverstärkung sehr gut zu erreichen. Eine weitere Möglichkeit bietet der vorderseitige HeadPhone-Out. Dieser bietet ebenfalls ein post-EQ-Signal, welches vom Master abhängig ist. Dieses Signal ist jedoch deutlich stärker, als das des LineOuts.

Fazit

Ich hatte die Schna..ze ziemlich voll, als ich auf der Suche nach einem amtlichen Röhrensound war. Etliche Effekte und Modeller (von billig bis hochwertig) wurden ausprobiert, doch mit keinem konnte ich das erreichen, was ich mit einem (geliehenen) Ampeg SVT CL an Sound erhielt. Na ja, schleppen wollte ich den SVT auch nicht, immerhin bringt dieser stattliche 40 kg auf die Waage. Also schnell ans Werk und im Netz schlau gemacht, was es sonst noch so alles gibt. Dabei bin ich auf verschiedenste PreAmps gestoßen, die Endstufen-verstärkt stattlichen Sound versprachen.

Mir bot sich die Möglichkeit zeitgleich drei verschiedene Röhren-PreAmps zu testen, besser gesagt: Ich kaufte mir die aufgezählten Kandidaten.

 
Testkandidaten waren ein Ampeg SVP Pro, ein Ampeg SVP CL und halt der Warwick Quadruplet.


Was soll ich sagen? Der Ampeg SVP CL kam schnell wieder in die Bucht (wurde sogar mit Gewinn verkauft...), mit dem wurde ich nicht so richtig warm, obwohl dies anfänglich mein Favorit war.


Den Warwick habe ich als letzten Kandidaten getestet und ich war auf Anhieb glücklich!
Der Quadruplet kann sich getrost in eine Reihe mit den doch sehr geschätzten Ampegs (SVP Pro & CL) stellen. M.E. bietet der WW mehr Einstellmöglichkeiten als die Ampegs und ist zudem um einiges rauschärmer.


Die Möglichkeit, zur Klangaufbereitung eine Endstufenröhre zuzuschalten, entlockt dem PreAmp den Sound eines ausgewachsenen Voll-Röhren-Amps like SVT etc. Viel Zerre ist hier aber nicht möglich, ein gesunder Crunch (nach Wechsel der Röhre an Pos. 1) aber schon.

Ein paar Jahre später...

Den Quadruplet stecke ich immer mal wieder in mein Gig-Rig und freue mich jedes mal erneut über die "dicken" "bauchigen" Sounds, die mit diesem Preamp möglich sind. Besonders das Quadrumatrix-Preset 4 spiele ich sehr gerne, da der Sound sehr an "große" Vollröhren erinnert.

Ich habe seit 2009 vier verschiedene Quadruplets besessen (fragt nicht, warum...). Von richtig "abgerockt" (eigentlich eher "schlecht behandelt") bis "laden-neu" war alles dabei. Auf ein paar Gemeinsamkeiten möchte ich hier hinweisen:


Defekte Gleichrichter

Bei drei Quadruplets trat nach längerem Gebrauch folgender Fehler auf: Nach dem Einschalten des Preamps klang dieser wie gewohnt. Nach ca. 5...10 Minuten brach die Lautstärke bis zur totalen "Verstummung" merklich ein. Lediglich ein gaaanz leises kratzen war noch zu hören. Dieses Phänomen trat in allen vier Quadrumatrix-Presets auf. Es stellte sich heraus, dass der originale Gleichrichter auf der Röhrenplatine defekt war.


Diesen habe ich durch einen gleichwertigen Gleichrichter ersetzen lassen, das Problem war behoben. Auffallend war, dass bei meinem jetzigen Quadruplet, den ich ebenfalls gebraucht erstanden habe, dieser Gleichrichter bereits schon vor meinem Kauf ersetzt wurde...

Kleine fachtechnische Ergänzung durch den User AK:

Defekte Drehschalter

Bei zwei Quadruplets konnten nicht mehr alle vier Quadrumatrix-Presets gewählt werden, bei einem Quadruplet knackte es während des Umschaltens. Die Ursache war ein defekter Drehschalter:


Es handelt sich hierbei um einen 3-poligen (4-Stellungen) Drehschalter (3P4T). Original wurde ein Drehschalter zur s.g. Print-Montage gewählt (siehe Bild). Einfachheitshalber habe ich diesen durch einen Drehschalter mit Lötfahnen ersetzt. Die Lötarbeit ist etwas knifflig, da nicht nur flexible Drähte verlötet werden müssen, sondern auch recht starre Stege verbunden werden müssen.

Schwacher Output beim LineOut

Dieses wird von fast allen (mir bekannten) Usern des Quadruplets bemängelt. Die mögliche Lautstärke im Vergleich mit anderen Preamps bei gleicher Endstufe und gleicher Endstufenaussteuerung ist schon deutlich geringer. Abhilfe schafft hier die Verwendung des vorderseitigen Kopfhörerausganges zum Anschluss an eine Endstufe. Hier liegt ein recht hoher Pegel an, welcher ebenfalls mit dem Master geregelt wird. Aber Vorsicht: Dieser kann für manche Endstufe dann auch schon wieder zu hoch sein... 

Locker sitzende Röhren

Die Röhren im Quadruplet sitzen relativ locker. Es reichen schon geringe Erschütterungen und die Röhren sitzen nicht mehr korrekt im Sockel.

Abhilfe kann hier die Fertigung und Installation eines "Haltebleches" schaffen:

Die auf dem Bild zu erkennenden Silikonringe sollen verhindern, dass die Röhren in der Fassung "klirren" bzw. klappern.

Vielen Dank an harpamps für die Zusendung der Bilder!