Trace Elliot V6

Eigentlich war ich bisher immer nur von den Trace Elliot Boxen begeistert. Trace Elliot Amps fand ich dagegen nicht so dolle...
Das sollte sich schlagartig nach einem Besuch eines Gigs einer eher unbekannten lokalen Band ändern. Mir fiel der ungewohnt tiefe und saubere Basssound auf. Als ich sah, dass es sich um einen Trace Elliot Amp handelte, war ich dann doch erstaunt. Besonders, weil es sich um einen TE Vollröhrenamp handelte, von dem ich bisher nur gelesen habe, dass er sehr selten sein soll: Trace Elliot V-Type V6.
Natürlich sprach ich nach dem Gig den Bassisten an und durfte den Amp kurz testen. Ich war schlichtweg begeistert. Also machte ich mich auf die Suche nach einem V6 Head und wurde glücklicherweise auch kurze Zeit später fündig.

Übersicht

  • Röhrenbestückung: 4 x 12AX7, 6 x KT88
  • Ausgangsleistung: 400 Watt RMS an 2 Ohm / 4 Ohm
  • Eingänge: Klinke Aktiv, Klinke Passiv
  • Ausgänge: Line out, Balanced XLR Out (pre/post EQ schaltbar, Ground Lift)
  • Effektwege: 1x mono seriell
  • Klangregelung: Bass, Mid, Treble, Schalter Deep, Schalter Bright
  • Maße: 62 x 25 x 30 cm (BxHxT)
  • Gewicht: 26 kg

Konzept & Sound

Zugegeben: Ich war anfangs ein wenig über das Äußere des Amps enttäuscht. Der oben beschriebene Amp war mit Tolex und nicht wie meiner mit einem dunkelgrünem Filz bezogen. Na ja, auf die inneren Werte kommt es an!

Die Vorstufe des Amps ist baugleich mit dem von mir beschriebenen V-Type Preamp. Relativ schlicht aufgebaut, verrichtet sie dennoch klangformend ihren Dienst. Der Wunschsound kann mittels 'Bass', 'Mid' und 'Treble' eingestellt werden. Der 'Mid'-Regler ist ebenfalls als Push-Pull Poti ausgeführt, mit welchem die Mitten deutlich hervorgehoben werden können. Anders als beim V-Type Preamp sind Veränderungen an den Reglern deutlicher zu vermerken. Jedoch gilt auch bei diesem Amp: Der Sound ist sehr basslastig und Veränderungen am 'Bass'-Regler sind feinfühlig vorzunehmen. Insgesamt klingt der Amp sehr "bauchig", "mächtig" und mit einer gewissen Kompression des Sounds. Rigorose Soundveränderungen sind jedoch auch hier nicht möglich, der Grundsound bleibt eigentlich immer gleich. Wirkliche Zerrsounds sind nicht möglich, da der Amp immer clean bleibt.
Der DI-out liegt auch hier auf der Frontseite des Amps und ist pre/post EQ schaltbar.


Die Ausgangsleistung von 400 Watt sind theoretisch möglich und mit einer kleiner technischen Änderung auch schnell realisierbar. Jedoch leistet mein Amp "nur" knappe 300 Watt. Im Innern des Amps werkelt ein 12cm Radiallüfter zur Kühlung der 6 Endstufenröhren, welcher sich in Spielpausen durchaus bemerkbar macht.
Erfreulich ist auch hier, dass der Amp sehr rauschfrei arbeitet. Nicht gerade selbstverständlich für Röhrenamps.


Der Amp ist ein wahres "Clean-Monster". Er ist nicht für Zerrsounds geeignet. Wer jedoch auf cleanen und gleichzeitig mächtigen Sound steht, wird mit diesem Amp glücklich.
Auch hier gilt: Die gerne zitierten Vergleiche mit dem typischen Ampeg-Sound greifen hier nicht. Der V6 klingt eingenständig. Ein großes Bassfundament, ordentlich Tiefmitten und ein wenig Mitten und Höhen stellen seinen Charakter dar. Der Eigenklang des angeschlossenen Instruments wird trotzdem sehr gut wiedergegeben.

Fazit

Eine Antwort auf eine Anfrage bei Trace Elliot bestätigte mir, dass vom V6 ca. 1000 Stück hergestellt wurden. Er sollte "nur" die Lücke zwischen dem V4 und dem noch selteneren V8 schließen. Leider werden die V-Types Heads trotz ehemals hoher Nachfrage nicht mehr hergestellt.

Ich habe den Kauf des Amps nicht bereut. Er ist sauber und super robust verarbeitet, bietet Power satt und arbeitet erfreulich rauschfrei (mal abgesehen vom Lüftergeräusch). 
Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Impedanzen zwischen 2/4/8 Ohm wählbar wären. Der Trace Elliot Support versicherte mir jedoch, dass der AÜ auch gut und gerne angeschlossene 8 Ohm verträgt...
Der Amp stellt kein Leichtgewicht dar. Zum Transport dient lediglich ein obenseitig angebrachter Ledertragegriff, welcher zwar einen sehr stabilen und belastbaren Eindruck macht, jedoch bei mir immer ein ungutes Gefühl erzeugt. Zwei seitlich angebrachte Griffe wären wünschenswert, zumal die jetzige Möglichkeit auch nicht gerade praktisch ist...

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