Fender Bassman 500

Der Bassman 500 stellt nicht meine erste Begegnung mit einem Amp aus dem Hause Fender dar. So spielte ich u.a. kurze Zeit einen Fender Bassman 100 aus den 70ern. Der Sound des "kleinen" Amps war hervorragend, leider hatte ich jedoch eine "Mimose" erwischt. Der eigentlich als robust und langlebig geltende Amp krankte an ständigen Defekten, die mir die Spiellaune gehörig vermiesten. 
Als Fender einen Amp angekündigt hat, welcher den klassischen Bassman-Preamp mit einer Class-D Endstufe verbindet, wurde meine Neugier sofort geweckt. Es dauerte nicht lange und nähere Details zum Amp, z.B. dass der Preamp des ebenfalls recht neuen Bassman 100T (den ich ebenfalls gut kenne) verwendet wird, erhöhten meine Neugier sogar noch. Fender ging erfreulicherweise beim Design des Amp-Gehäuses mal einen vergleichsweise anderen Weg, als andere Amp-Schmieden, die ihre Class-D Amps in immer kleiner und leichter werden ließen. Der Bassman 500 hinterlässt zumindest optisch schon mal einen "großen" Eindruck:

Übersicht

  • Bauform: Topteil im Holzgehäuse
  • Technik: Röhre/Transistor
  • Maße: 22 x 58 x 27 cm (HxBxT)
  • Gewicht: 7,5 kg
  • Leistung: 500 Watt / 4 Ohm
  • Eingänge: Instrument (Klinke), PowerAmp-Input
  • Ausgänge: Speaker (Speakon-Combo), Tuner-Out, DI-Out (XLR), Preamp-Out
  • Klangregelung: Bass, Mitten, Höhen (passiv), Bass, Mitten (parametr.), Höhen (aktiv)
  • Sonstiges: Fußschalter


Konzept

Als der Amp geliefert wurde, hätte man meinen können, der Karton sei leer. Mit knappen 7,5 kg Gewicht steht der optische Eindruck im krassen Gegensatz zum erwarteten Gewicht. Kein Wunder, stellt das Gehäuse des Amps eigentlich eine "Mogelpackung" dar:


Das in Anlehnung an die klassischen Bassman-Amps gestaltete Gehäuse muss keine großzügig dimensionierten Trafos und dicke Glaskolben beherbergen und bietet daher genügend luftleeren Raum, der, wie in einigen anderen Foren geunkt wird, als "Stauraum" genutzt werden könnte... Der oberseitig vorhandene Griff erleichtert den Transport des ohnehin sehr leichten Amps.
Die Verarbeitung des Amps ist ohne Makel. Das Holzgehäuse wirkt belastbar, der verwendete Tolexbezug erscheint fest, die Kanten sind durch Metallecken geschützt und dicke Gummi-Füße garantieren einen sicheren Halt.

Das Konzept des Amps, die Verbindung eines Röhren-Preamps mit einer Class-D Endstufe, stellt kein Novum dar. So greift Fender wie einige andere Hersteller auch auf die bewährten B&O ICEpower Endstufenmodule zurück, die klein, leistungsstark und impulsfest bei geringen Gewicht sind.

Dementsprechend aufgeräumt wirkt das Innere des Amps durch die Aufteilung von Preamp, Stromversorgung, Endstufe in getrennte Baugruppen bzw. Platinen.
Unter der Abdeckung des Endstufenmoduls verbirgt sich ein permanent laufender Lüfter, welcher dezent leise im Hintergrund werkelt.

Bedienung

Es stehen zwei Klinkeneingänge zum Anschluss des Basses zur Verfügung. Ein Blick ins Manual verrät, dass der mit "2" betitelte Eingang für Bässe mit höherem Output gedacht ist, da hier eine Levelabsenkung um 6dB vorgenommen wird.



Der Amp ist zweikanalig augebaut. Es sind ein "Vintage"-Kanal mit passivem Equalizer (Bass, Middle, Treble) und ein Overdrive-Kanal mit aktivem Equalizer (Bass, Treble, semi-param. Middle) vorhanden.



Die Kanäle können per Schiebeschalter oder per Fußschalter gewählt werden. Ist ein Fußschalter eingesteckt, verliert der Schiebeschalter seine Wirkung. Die Kanalwahl wird per LED angezeigt.



Beide Kanäle verfügen über per Push/Pull aktivierbare Bass- bzw. Höhen-Presets, die das Klangverhalten des Amps gehörig verändern. Eine hilfreiche Ergänzung stellt die semi-param. Mittenregelung im Overdrive-EQ dar. Nach Vorwahl eines Mittenbandes kann dieses per Levelregler hervorgehoben oder gesenkt werden.
Was wäre ein Overdrive-Channel ohne "Overdrive"? 
Mit Gain kann die Intensität des Overdrive gewählt und mit Blend zum Cleansound stufenlos gemischt werden. So sind leicht knuspernde Overdrive-Sounds, aber auch kratzige Fuzz-Sounds möglich.



Wie bei den alten Bassman auch, ist durch ziehen des Master-Reglers ein stumm-schalten des Amps möglich. 

Auf der Rückseite des Amps sind u.a. zwei Speaker-Ausgänge vorhanden:


Erfreulicherweise wurden Speakon-Combo-Buchsen verwendet. Ok, i.d.R. werden heutzutage Speakon-Stecker verwendet. Hin und wieder kann es jedoch vorkommen, dass nur ein Klinken-Kabel vorhanden ist, aber kein Klinke/Speakon-Adapter. Kein Problem! ...
Preamp Output bzw. Power Amp Input stellen FX-Send bzw. FX-Return dar. Der DI-Out kann per Druckschalter Pre oder Post EQ gesetzt werden, der Level des DI-Outs kann per Poti gewählt werden.

Sound

Den Sound alter Bassman-Amps schätze ich sehr. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Fender es mit dem Bassman 100T geschafft hat, den Sound ziemlich identisch in einen Amp mit modernen Features zu verpacken. Dass es möglich ist, Röhrensounds sehr gut durch Röhrenpreamps wie z.B. dem Fender TBP-1, verstärkt durch Transistor-Endstufen zu erzeugen, ist mir hinreichend bekannt. Daher habe ich Vorbehaltslos den Bassman 500 mit zu den Bandproben genommen, um ihn ausgiebig im Einsatz zu testen.
Der Vintage-Kanal liefert mit seinen 3 EQ-Bändern den gewohnten typischen Bassman-"one-tone-wonder"-Sound. Bauchig, rund mit tiefem Fundament und luftigen Höhen. Das schaltbare Bass-Preset legt noch ein wenig Fundament nach und rundet den Sound m.E. noch ein wenig mehr Richtung "old-school-Bassman" ab. Zumindest habe ich dieses Preset dauerhaft aktiviert, um einen tiefen aber dennoch präsenten Sound zu erhalten.


Der Overdrive-Channel ist ein wenig anders gestaltet und bietet ein paar mehr Eingriffsmöglichkeiten in das Sound-Geschehen. Der Equalizer ist aktiv, arbeitet somit anders als der passive EQ des Vintage-Kanals. Die semi-param. Mitten-Regelung kann den Sound ordentlich verbiegen und stellt eine wertvolle Hilfe bei der Einstellung des gewünschten Sounds dar. Insgesamt wirkt der Overdrive-Channel ein wenig "luftiger" und ist deutlich leichter zu händeln.

Der Bassman 500 beherrscht Cleansounds ebenso gut wie Overdrive-Sounds. Der Grad der Verzerrung kann über weite Regelwege von "leicht crunchig" bis "fuzzig" gut dosiert werden. Durch das Mischen zum Cleansound bleibt das Bass-Fundament weitestgehend erhalten. 

Der Bassman 500 klingt leicht "bissiger" und "schneller" als die Vollröhren-Kollegen aus dem Hause Fender ohne dabei den Röhrenklang zu verlieren. Dieser bleibt insbesondere bei der Verwendung des Vintage-Kanals ständig präsent. Der Amp schafft es mühelos, sich auch in einer lauten Band zu behaupten. Ich habe es nicht geschafft, den Amp an die bei Class-D Endstufen gefürchteten Grenzen zu bringen.

Fazit

Ich schätze die Gewichtsvorteile, die Class-D Amps mit sich bringen sehr. Ich scheue aber auch nicht davor zurück, für meine Soundvorstellungen einen "mittelschweren" Vollröhrenboliden durch die Gegend zu schleppen. Fender ist es mit dem Bassman 500 gelungen, den gewohnten Bassman-Sound "leicht" in gewohnter Optik zu verpacken.
Der Preis von (aktuell) 900 Euro ist zugegebenermaßen nicht gerade niedrig, die gebotene Qualität stimmt jedenfalls.

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