Fender TB-600

Der Fender TBP-1 war der erste Preamp, den ich mir gekauft habe. Mit kurzer Unterbrechung ist das der von mir am meisten eingesetzte Preamp. Ich schätze den stets warmen und definierten Ton des Preamps, der sich durch weitere Features jeder Situation schnell und komfortabel anpassen lässt.

 

Fender hat dem TBP-1 zwei leistungsstarke Transistor-Endstufen spendiert und somit zeitgleich den TB-600 sowie den TB-1200 vorgestellt. 

Übersicht

  • Bauform: 19", 2HE, Stahlblechgehäuse
  • Einbautiefe: 380 mm
  • Technik: Röhre + Transistor
  • Röhrenbestückung: 2x 12AX7
  • Klangregelung: passiver 3-Band EQ; semiparam. EQ (schaltbar); Deep und Bright Preset
  • Eingänge: Klinke (vorder- und hinterseitig)
  • Ausgänge: Main-Out (Klinke), Biamp- HF-Out und -LF-Out (Klinke), symm. DI-Out XLR, Speaker (Speakon/Klinke)
  • Sonstiges: Tuner Out (Klinke), Ground Lift, Effekt Send+Return (Klinke)
  • Gewicht: 14,5 kg

Konzept

Das Gehäuse des Amps besteht aus recht dickem Stahlblech, die Frontplatte besteht aus 5 mm starkem Aluminium. Das Gewicht wird wohl maßgeblich durch den großzügig dimensionierten Ringkerntrafo verursacht. Sehr praktisch sind die beidseitig der Front angebrachten verchromten Rackgriffe, welche ein Ein- und Ausbau des Amps in ein Rack sehr erleichtern.

Ein Blick ins Innere des Amps verrät einen aufgeräumten und sauber verarbeiteten Eindruck. Aber das Innere verrät auch, dass es nicht um reine Röhrentechnik handelt, die hier werkelt. So sind auch einige Halbleiter verbaut.

Ein Temperatur-gesteuerter Lüfter sorgt für die notwendige Kühlung des Amps. Es wurde ein Lüfter mit 8 cm Durchmesser verwendet, der seinen Dienst zwar hörbar, jedoch angenehm leise verrichtet.
Insgesamt ist der Amp sehr "wertig" verarbeitet. Keine billig wirkenden Plastik-Potiknöpfe (wie an so manch ähnlich teurem Gerät) sondern Knöpfe aus schwarzem Aluminium, edel wirkende Front aus gebürstetem Aluminium und ein sinnvolles Konzept verstärken den Eindruck: Ja, der Amp ist zumindest haptisch und optisch sein Geld wert! Ein wenig überflüssig finde ich die blauen LEDs, die das Innere des Amps im eingeschaltetem Zustand beleuchten und durch das Gitter der Frontplate zu erkennen sind.

 

Die Bedienelemente frontseitig:

Der TB-600 besitzt einen vorder- und einen rückseitigen Klinkeneingang für den Bass. Somit ist eine "saubere" Verkabelung innerhalb des Racks gewährleistet. Der vorderseitige Eingang hat schaltungstechnisch Vorrang gegenüber dem hinterseitigen Eingang, d.h. ist der Amp hinterseitig mit den Rackkomponenten verkabelt und wird trotzdem ein Instrument vorderseitig angeschlossen, wird das Signal von diesem Eingang abgegriffen. Auf einen getrennten Eingang für aktive/passive Bässe wurde verzichtet, da die Eingangsempfindlichkeit um -6dB per Druckschalter angepasst werden kann. Des Weiteren steht ein 'Volume'-Poti zur verzerrungsfreien Aussteuerung des Preamps zur Verfügung.

 
Der 3-bandige passive Equalizer bietet die Möglichkeit, den bereits sehr guten Grundsound noch zu verfeinern. Das 'Bass'- und das 'Treble'-Poti sind als Push/Pull-Potentiometer ausgelegt. Mit ihnen kann ein "Deep"- und/oder ein "Bright"-Preset aktiviert werden.
Laut Handbuch steht der EQ bei folgenden Einstellungen auf "neutral": 2-10-2 (Bass-Mid-Treble). Ich erwähne dies hier, da es sich um eine rein passive Klangregelung handelt. Die Frequenzbereiche werden lediglich abgesenkt und die Poti-Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig. Somit gibt es auch nicht die "klassische" Neutralstellung, wie man sie von aktiven Equalizern kennt. Die Klangregelung ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber wenn man deren Wirkungsweise durchschaut hat, sehr wirkungsvoll und fein justierbar.


Der Grundsound des Amps ist an sich schon sehr basslastig, aber nicht so, dass es "dröhnig" oder "matschig" wird. Daher braucht man i.d.R. das "Deep"-Preset nicht zu aktivieren. Im Gegenteil: Man wird eher die Bässe ein wenig reduzieren wollen. Ein aktiviertes "Bright"-Preset macht sich nur gering bemerkbar. Der Sound geht nicht voll in die Mitten/Höhen, sondern wird eher dezent durch den Zusatz von kleinen Mitten/Höhen-Nuancen geprägt.


Positiv fällt auf, dass bei allen EQ-Einstellungen der Grundsound des Amps im wesentlichen unangetastet bleibt. Er bleibt stets deutlich "bauchig" und clean.

Mittels eines Schalters an der Frontseite des Amps oder per Fussschalter kann der 'Tube Overdrive' aktiviert/deaktiviert werden. Ein aktivierter Overdrive wird per LED angezeigt. 'Gain' bestimmt den Grad der Verzerrung und 'Volume' dient zum Anpassung der Lautstärke. Mit 'Blend' kann das cleane Signal ("Vintage") mit dem verzerrten Signal ("Overdrive") stufenlos gemischt werden. Ein nützliches Werkzeug, da so das Bassfundament weitestgehend erhalten werden kann. Wer sich jedoch richtig brachiale Zerrsound mit diesem Amp verspricht, wird enttäuscht sein. Dem Grundsound werden lediglich "brizzlige" Sounds hinzugefügt. Für Bassisten der "härteren" Gangart ist er daher eher ungeeignet.

Ebenfalls per Fußschalter oder per Taster aktivierbar ist die semiparametrische Klangregelung (aktiviert=LED ON).  Mit 'Freq' wird eine Mittenfrequenz zwischen 80 Hz und 2 kHz eingestellt, die mit 'Level' um ± 15 dB angehoben/abgesenkt werden kann. 

'Room Balance' stellt die m.E. wohl wirkungsvollste und nützlichste Klangregelung am TB-600 dar. In Mittelstellung verbleibend ("Flat") bewirkt er nichts. Wählt man eine Einstellung in Richtung "Deep" werden die Höhen gedämpft und die Bässe gleichzeitig betont. Eine Einstellung in Richtung "Bright" bewirkt das Gegenteil: Die Bässe werden gedämpft und gleichzeitig die Höhen betont. Dies kann sehr nützlich sein, wenn man den gewünschten Sound per EQ gefunden hat und diese nur noch betonen möchte.
'Master' regelt die Gesamtlautstärke des Amps. Der Amp kann bis auf den 'Tuner-Out' entweder per Fußschalter oder per Taster gemutet werden. Dieser Betriebszustand wird durch eine blinkende LED angezeigt.

 

Die Bedienelemente auf der Rückseite:

Der Fußschalter kann per Mono-Klinkenkabel angeschlossen werden. Der Anschluss mittels eines "normalen" Monoklinkenkabels kann ganz nützlich sein, da man so nicht ständig irgend ein (meist zu kurzes) "Spezialkabel" einpacken muss, was man eh immer vergisst. Ein normales Instrumentenkabel ist völlig ausreichend. Und die gibt es ja in den unterschiedlichsten Längen.

Der 'Balanced Line Output' ist zur Vermeidung von Brummschleifen mit einem schaltbaren Groundlift vorgesehen. Der DI-Out Abgriff kann nach der ersten Röhre(nstufe)/vor EQ mit der 'Pre'-Tasterstellung oder durch 'Post' hinter dem EQ/Effektloop und vor 'Room Balance'/'Master' gewählt werden. Mit 'Level' wird die Ausgangslautstärke des DI-Outs eingestellt.

 

Der serielle Effektweg des Preamps kann per Fußschalter aktiviert/deaktiviert werden. Diese Möglichkeit kann man nutzen, um z.B. eine Effektkette aus dem Signalweg zu nehmen oder aber als einfache Boostfunktion zu schalten. Die Signalstärke des Effektweges kann per Taster zwischen -10 dBV und +4 dBu umgeschaltet werden. Die Lautstärke des FX-Return kann mit 'Trim' eingestellt werden.
Übrig bleiben noch ein stets aktiver 'Tuner' - Out und ein weiterer Instrumenten- 'Input', welcher jedoch inaktiv wird, sobald ein Instrument den vorderseitigen 'Input' belegt.

 

Die Boxen können entweder per Speakon oder Klinke angeschlossen werden. Die minimal einzuhaltende Impedanz beträgt 4 Ohm, an welcher der Amp auch seine maximale Leistung von 600 Watt leistet.

Sound

Der Sound des Amps lässt deutlich vermuten, dass Röhren am Werk sind. Der Sound ist deutlich basslastig, lässt sich aber dennoch durch den sehr wirkungsvoll arbeitenden passiven 3-Band EQ beeinflussen. Die Vari-Q-Klangregelung kann zur weiteren Verfeinerung des Sounds genutzt werden, was jedoch i.d.R. nicht notwendig ist. Besonders gut gelungen finde ich die 'Room-Balance'. Diese ermöglicht eine schnelle und wirkungsvolle Veränderung des Sounds, ohne dass man die gewöhnungsbedürftige passive Klangregelung verändern muss. 
Der 'Tube-Overdrive' kann den Grundsound ein wenig "knuspern" lassen. Leicht eingestellt ist ein leichter und gut klingender Overdrive möglich. Höhere Gain-Einstellungen sind m.E. jedoch nicht sooo brauchbar. Die Stärken des Preamps liegen m.E. im cleanen Bereich.
Sehr gut ist die wertige und durchdachte Verarbeitung des Preamps sowie die Schaltungsmöglichkeiten per Fußschalter. Aktivierungen werden per LEDs am Preamp und durch LEDs am Fußschalter angezeigt.
Es sind auch bei extremen EQ-Einstellungen so gut wie keine Nebengeräusche auszumachen.