Ampeg SVT-3 Pro

Wie oft stand ich kurz davor, einen Ampeg SVT-3 Pro zu kaufen. Aber jedes mal kam mir ein anderer Amp "dazwischen". Den Amp habe ich über mehrere Jahre hinweg immer mal wieder gespielt und fand ihn auch jedes mal überzeugend. Zum einen in der Leistungsentfaltung als auch klanglich. Auch die aufgerufenen Preise auf dem Gebrauchtmarkt konnten mich nicht wirklich überzeugen, da diese sich sehr stabil in höheren Bereichen bewegen.

Doch nun steht er hier und wird gespielt, mein eigener Ampeg SVT-3 Pro:

Übersicht

  • Bauform: Topteil im Metallgehäuse, rackfähig
  • Technik: Hybrid
  • Röhrenbestückung: 4 x 12AX7, 1 x 12AU7
  • Leistung: 450 / 275 Watt (4 / 8 Ohm)
  • Maße: 19" x 2HE x 33 cm BHT
  • Gewicht: 12 kg
  • Klangregelung: 3 Band EQ, 9 Band graph. EQ, Tube Gain, Ultra Low / High Preset

Konzept

Auf zwei Höheneinheiten und gerade mal 330 mm Tiefe hat Ampeg den 450 Watt (4 Ohm) leistenden Verstärker verpackt. Als Material für das Gehäuse wurde stabiles Stahlblech verwendet, welches dem Gewicht von knappen 12 kg genügend Stabilität bietet. Zur besseren Handhabung sind auf der Frontplatte zwei Griffe vorhanden. Auch wenn der SVT-3 Pro als Rackgerät konzipiert wurde, kann er auch ohne ein schützenden Rack transportiert werden. Große Gummifüße auf der Unter- sowie auf der Rückseite des Amps bieten sicheren Halt bzw. schützen das Gehäuse sowie überstehende Elemente der Rückseite. 

Das gesamte Innenleben besteht aus drei Platinen: Preamp, Poweramp und Stromversorgung. 

Zur Leistungsverstärkung kommen hier MOSFETs, welche auf einem Kühlblech installiert wurden. Bei entsprechender Leistungsanforderung entwickeln MOSFETs viel Wärme. Da eine passive Kühlung nicht ausreichen würde, unterstützt ein dauerhaft laufender Radiallüfter die Ableitung der entstehenden Wärme. Der Lüfter ist leider nicht temperaturgeregelt und neigt auch gerne dazu, sich hörbar in Szene zu setzen.

Ein Klinkeneingang ist für den Anschluss des Instrumentes vorhanden. Für pegelstarke Bässe kann per Druckschalter eine Abschwächung des Signals um 15dB aktiviert werden.

Ein erstes klangformendes Preset Bright kann mit einem Druckschalter abgerufen werden: Bei 2 kHz werden die Höhen um 6dB angehoben.

Die Signalstärke am Eingang wird mit Gain geregelt, eine rot leuchtende LED soll dabei helfen. Dazu aber später mehr...

Der aktive 3-Band EQ erlaubt folgende Einstellungen:

  • Bass: +12/-12 dB @ 50 Hz
  • Treble: +14/-19 dB @ 5 kHz

Das Mittenband kann per 5-fach Frequency-Wahlschalter (220 Hz, 450 Hz, 800 Hz, 1,6 kHz, 3 kHz) gewählt und mit Midrange um +15/-15 dB betont bzw. gesenkt werden.

Wie bei fast allen Amps aus dem Hause Ampeg finden sich auch hier beim SVT-3 Pro die Presets Ultra-Low und Ultra-High wieder. Ersteres erzeugt die typische "Badewanne, indem die Bässe bei 50 Hz um 2,5 dB betont werden, die Mitten bei 560 Hz um 12 dB abgesenkt und die Höhen bei 5 kHz um 2,5 Hz angehoben werden.

Mit Tube Gain steht ein weiteres Tool zur Klangformung zur Verfügung. Mit diesem Poti kann die Anodenspannung der Treiberröhren in der Endstufe des Amps geregelt werden. Mit zunehmender Spannung wird der Sound deutlich straffer, während bei niedrigeren Spannungen der Sound entspannter klingt. Die Auswirkungen des Tube Gain Reglers sind hörbar, dennoch aber recht subtil.

 

Einen vorderseitigen und schnell erreichbaren Mute-Schalter finde ich immer wieder brauchbar, so auch hier bei diesem Amp.

Mit EQ kann ein 9-Band graphischer Equalizer aktiviert werden.

Mit diesem kann in den Bereichen 33 Hz, 80 Hz, 150 Hz, 300 Hz, 600 Hz, 900 Hz, 2 kHz, 5 kHz und 8 kHz der Sound deutlich beeinflusst werden.

 

Die Rückseite des Amps ist wie folgt aufgeteilt:

Die Boxen können über eine Speakonbuchse oder über zwei Klinkenbuchsen angeschlossen werden. Die angeschlossene Gesamtimpedanz darf 4 Ohm nicht unterschreiten.

Der SVT-3 Pro kann als Poweramp genutzt werden. Dazu wird ein externes Signal über Power Amp In eingespeist, welches direkt zur Endstufe zur Verstärkung geleitet wird. Das interne Preamp-Signal ist dann deaktiviert.

Möchte man jedoch das Preamp-Signal des Amps an einen weiteren Poweramp schicken, kann dieses über die Preamp Out Buchse abgerufen werden.

Für den Effektweg sowie für einen Tuner Out können drei weitere Klinkenbuchsen genutzt werden. Die Stärke des Trafo-symmetrierten DirektOut-Signals kann mit einem Poti stufenlos geregelt werden. Per Druckschalter kann gewählt werden, ob es pre/post EQ abgegriffen werden soll.

Per Fußschalter können die vorderseitigen Funktionen Mute und EQ on/off geschaltet werden. 

Praxis & Sound

Wie schon erwähnt, ist der Lüfter hörbar. Das mag in (ruhigen) Spielpausen stören, aber selbst in einem Probenraum ist es ja nie wirklich "ruhig", so dass ich das Geräusch jetzt so nervend finde.

Erfreulich finde ich, wie arm an Nebengeräuschen der Amp (über Boxen)ist. Ich kenne und spiele die ehemals erhältlichen Rackpreamps aus dem Hause Ampeg, die allesamt nicht sooo ruhig sind.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die "korrekte" Aussteuerung des Amps. Eingangs erwähnte ich die rote LED, welche eine Übersteuerung des Eingangs anzeigen soll. Nun ja, diese LED fängt schon sehr früh an, rot aufzuleuchten. Bei vielen Amps macht sich eine übersteuerte Vorstufe dadurch bemerkbar, dass der Sound rauher, tlw. auch verzerrt erklingt. Beim SVT-3 Pro ist es nicht so. Selbst bei einer dauerhaft leuchtenden Eingangs-LED bleibt der Sound clean. Nur bei sehr weit aufgedrehtem Gain ist ein Knuspern im Sound zu hören. 

An verschiedenen Stellen im Internet kann man lesen, dass der SVT-3 Pro einigen Usern zu leise erscheint. Das mag unter anderem daran liegen, dass der roten LED am Eingang zu viel Beachtung geschenkt wird. Bei meinem Ampeg steht Gain meistens so bei 12 Uhr und ich erreiche mit Master bei 10...11 Uhr eine ausreichend hohe Lautstärke.

Ebenfalls wichtig ist die Aussteuerung des Equalizers. Der 3-Band EQ greift relativ zahm ins Soundgeschehen ein. Alle Potis auf "flat" reicht aus, um einen erdigen, Bass-betonten aber dennoch Sound zu erreichen, der aber trotzdem ausreichend ausgeglichen klingt. Kein Frequenzbereich schiebt sich in den Vordergrund. Anders sieht es aus, wenn das Ultra-Low Preset aktiviert wird. Dann neigt der Amp dazu, abhängig von der Raumakustik, schnell dröhnend zu werden. Hilfreicher finde ich es, den Wunschsound, gerne auch etwas Bass-betont, über den 3-Band EQ einzustellen.

Wer es noch detailierter mag, der aktiviert den graphischen 9-Band EQ. hier kann man nun wirklich alles "von...bis" einstellen.

Interessant ist das "Tube Gain"-Poti. Mit diesem Potis sind zwar nur recht feinfühlige Soundveränderungen machbar, jedoch ermöglicht es, den SVT-3 Pro nahe an den Sound eines hart angefahrenen Vollröhrenamps zu bringen. Der Sound kann von straff und definiert bis hin zu leicht angeknuspert mit leichter Kompression eingestellt werden.

Fazit

Der Ampeg SVT-3 Pro wird schon seit ein paar Jahren hergestellt und verkauft. Selbst ein Wechsel des Produktionsstandortes sowie weiterführende technische Veränderungen im Laufe der Produktionsjahre konnten nichts am guten Ruf dieses Amps ändern.

Mit dem gut dosierbaren Equalizer sind viele Sounds möglich und der Amps überzeugt mich durch eine "ehrliche" Leistungsabgabe, die man durchaus erzielen kann. Dass der Amp zu "leise" sei, kann ich jetzt nicht bescheinigen.

 

02/2020